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Erlebnisbericht: Musikkurse geben in einer Schule mit Kindern mit einer Lernbeeinträchtigung

(Fotos und Videos unter dem Text)
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Die Idee von uns war, Musikkurse ohne Notenlehre zu entwickeln, die besonders auch geeignet sind für Kinder und Jugendliche, mit einer Beeinträchtigung. Um verschiedene Methoden und Modelle besser ausprobieren zu können, haben wir Kontakt mit der PDF Schule in Eupen aufgenommen.

Die Pater Damian Förderschule, ist eine katholische Grundschule, wo Kinder im Alter von 6-14 Jahren, in Kleingruppen und individuell unterrichtet werden. Je nach Beeinträchtigung, schaffen einige Schüler den Regelabschluss des 6. Grundschuljahres, und können somit auf eine Sekundarschule weiter dem Unterricht folgen. Die anderen Schüler gehen dann mit 13 oder 14 Jahren zu einer Sonderschule. Diese Schüler hatten keine große körperliche Beeinträchtigungen sondern eher kognitive Schwierigkeiten, entweder Konzentrationsprobleme oder Lernschwierigkeiten.

Alle 40 Schüler und Schülerinnen konnten an unserem Projekt teilnehmen, obwohl der Fokus auf die älteren Schüler gelegt wurde. Mit 5 zum Teil ehrenamtliche Musiklehrer – zwei für Gitarren, einer für Keyboard und elektronische Musik und zwei die das Cahon Atelier leitete, konnten wir während 6 Monate jeweils einmal in der Woche, einen Nachmittag unsere Kurse durchführen.

Zuerst gab es eine Vorstellungsrunde, welche Instrumente und Musikkurse wir im Angebot hatten. Die Schüler konnten dann zwischen Gitarre und Keyboard und elektronische Musik und Cahon bauen, wählen. Mit der Schule war vereinbart worden, dass jede Klasse 2-3 mal Cahon spielen durfte – bzw. probieren konnte.

In den Gitarrenkursen, unterrichteten die zwei Lehrer auch unterschiedliche Methode. Schnell stellte sich heraus, dass einmal die Gruppen nicht zu groß sein sollten, 2-3 Schüler waren in den Kursen (jeweils 50 min) und nach einige Stunden wurden die Kids auch nach Stärke und Motivation zusammen gestellt.

In dem einen Kurs wurde eher klassisch unterrichtet – einige Griffen gezeigt und Griffe drücken und dabei auch eine Schlagtechnik gezeigt. In dem parallelen Kurs wurde von einem Handy ein Lied abgespielt und die Schüler mussten dann immer nur zwei verschiedene Griffe anschlagen.
Der Gitarrenunterricht war aber schwer schwerfällig, da die meisten Schüler während der Woche nicht probten. Wenn nicht zwischen den Kursen geübt wurde, konnten somit kaum Erfolgserlebnisse verbucht werden. Es konnte keine Hornhaut auf den Fingerkuppen entstehen und das Wechseln der Griffe war und blieb eine Herausforderung.

Fazit beim Gitarrenkurs: um Resultate erzielen zu können, reicht es bei den Schülern mit Beeinträchtigungen nicht, sie einmal in der Woche Musik zu vermitteln, sondern sie müssten eigentlich 4-5 mal in der Woche eine Stunde Musikunterricht haben. Dieser sollte dann in dem normalen Stundenplan aufgenommen werden – somit wären eher Erfolgserlebnisse zu verzeichnen und die Schüler wären dadurch auch motivierter.

Wahrscheinlich gibt es weitere Möglichkeiten und Methoden, aber wir konnten auch zeitliche Gründe nicht mehr ausprobieren.

In Kursen im Jugendtreff Inside haben wir die Feststellung gemacht, dass es meistens Sinn macht und für die Schüler mit Beeinträchtigungen, jeweils nur 30 min Einzelunterricht zu geben. Wichtig in diesem Zusammenhang erscheint uns, dass das Gespräch mit den Eltern regelmäßig nötig ist.

Die Kurse am PC – in diesem Fall auf Mac Computer, haben immer in Gruppen von 2-3 Schüler stattgefunden. Die Mac PCs haben den Vorteil, dass sie erstens sehr stabil laufen und eigene Musikprogramme hat, wo jeder nach seinem Niveau, Sachen ausprobieren kann und evt. erste Lernerfolge erzielen kann. Für die meisten Schüler war es aber auch eine Herausforderung überhaupt an einem PC zu arbeiten – zu lernen wie die Maus geführt wird und wie man eine PC manipuliert. Die Schüler die an diesen Kursen teilnahmen, hatten sich ebenfalls freiwillig gemeldet wie auch bei den Gitarrenkursen. Sie waren immer sehr motiviert und wollten sehr schnell „spielen“ und es war doch schwierig, sie langsam an Rhythmus und Melodie, heranzuführen. Die Honorarkraft – selber auch Keyboardspieler, hat auch immer wieder kleine Keyboards angeschlossen, um somit Musik spielen zu können. Er hat versucht dies abwechselnd anzubieten, um so die Motivation zu steigern. Da es auch zeitlichen Gründen nicht möglich war, da zu viele diese Kurse folgen wollten, wurden nur 10 St. Unterricht für die Schüler gegeben. Eigentlich hätten die Kurse weiterfortgeführt werden, aber da muss die Schule entweder andere Prioritäten setzen, Wir vom Jugendtreff haben den Schüler angeboten, die Kurse außerhalb ihrer Schulzeit im Inside weiter folgen zu können. Leider ist bisher aber keine Anfrage gekommen.

Cajon selber bauen
Das wohl interessanteste Projekt in der PDF, war Cajon mit den Schülern zuerst selber zu bauen und anschließend darauf zu spiele.

Für die Soziale Arbeit ist ein Musikverständnis, das sich auf das schaffen einer Hochkultur und auch anspruchsvolle Jazz- und Popmusik beschränkt, unbrauchbar, da diese Bereiche in der aktiven Ausübung nur dem geschulten Amateur bzw. ausgebildeten Musikern zugänglich ist.
Musik ist weder eine höhere Art der Welterkenntnis noch verbirgt sich hinter ihr eine metaphysische Wahrheit. Musik ist Musik, wenn sie uns als Musik vorkommt und uns etwas bedeutet. Sie ist daher ein sehr subjektives Phänomen. Somit wäre generell „jedes akustische Ereignis musikfähig – von Bedeutung ist lediglich, dass ein Musiker oder ein Hörer das Ereignis als Musik ansieht“. Dies war der Grund für den Kurs der Gruppenimprovisation. In diesem Fall sollte das Percussioninstrument (Cajon) sogar selber gebaut werden. Ein Instrument selber zu bauen ist heute etwas ganz seltenes. Ursprünglich einmal baute sich jeder Musiker sein Instrument selber. Heute nur noch selten, am ehesten bei Völkern, die zumindest Teile ihrer traditionellen Musik bewahrt haben. Der richtige Umgang mit Werkzeug und Materialien wurde dadurch auch sehr stark gefördert. Das Selbstbauen von Instrumenten hat heute einen sehr großen experimentellen Charakter. Gerade aber das eigene Herstellen eine Instrumentes und das gemeinsame Spielen auf genau diesem Instrument immer wieder besonders motivieren wirken. Einmal ist es natürlich der Stolz über das selbst Geschaffene sehr groß und die Freude am weiteren Erkunden dann natürlich auch. Nur wirkliches Interesse und eigener Antrieb schaffen es, Menschen für eine Sache zu begeistern und zu gewinnen. Da die Herstellung etwas aufwendigerer Instrumente bereits eine gute Portion an Durchhaltevermögen, Geduld, Konzentration und Ausdauer verlangt, und das Musizieren noch einmal Gleiches erfordert, schaffen es nur wenige Menschen, sich auf diesen längeren Prozess einzulassen und ihn auch zu einem erfolgreichen Ende zu bringen. Außerdem wird etwas eigen Erschaffenes mit anderen Augen betrachtet und der Drang sein eigen Erschaffenes auch zu spielen ist riesig.
Nachdem wir die einzeln Teile vorher schon zurecht geschnitten hatten, ging es vor allem darum, gemeinsam die Cajons zusammen zu bauen.

Bei der Vorstellung vor allen Schülern, meldeten sich spontan 10, die nicht nur bauen wollten, sondern auch darauf spielen. Deshalb hatten wir uns entschlossen, 10 Modelle zu bauen.
Die Bauphase geschah während 2-3 Nachmittage und dann ging es los. Da die Schulleitung allen Kindern die Möglichkeit geben wollte, einmal Cajon auszuprobieren, hatten wir auch hier nur 10 St. um mit ihnen zu üben.

Das gemeinsame musikalische Spiel beruhte auf ganz wenige, leicht nachvollziehbare Grundregeln und lies ansonsten dem Einzelnen alle Freiheiten. Oberstes Ziel der Gruppenimprovisation war nicht ein musikalisches Produkt, sondern der kommunikative Prozess. Dies unterschied sie etwa von anderer improvisierter Musik. Gruppenimprovisation unter gruppendynamischen Gesichtspunkten zu analysieren heißt nicht, sie zur Gruppendynamischen Trainingsform zu erklären.

Nach einigen Stunden stellte sich auch heraus, wer etwas mehr Rhythmus besaß und somit auch schneller ein Erfolgserlebnis verzeichnen konnte.

Besonders die Möglichkeit der Improvisation, war eine ideale Möglichkeit, sich selber auszuprobieren und erste Erfolgserlebnisse verzeichnen zu können.

Die Stunden, wo die Kids nur 2-3-mal kamen, waren eher unbefriedigend, weil einfach zu wenig Zeit war. Vor allem, war hier auch nicht mehr die Freiwilligkeit da, die wir bei den anderen Kursen, vorausgesetzt hatten. Eine Erfahrung die die Kinder machen konnten war es auf jeden Fall, aber für unser Projekt eher ungeeignet.

Am Ende des Jahres gab es eine kleine Vorführung vor allen Schülern und Lehrkräften. Dort konnten wir feststellen, dass neben eine gewisse Nervosität auch sehr viel Stolz bei den Vortragenden vorhanden war. Auch wenn nur wenige Stücke gespielt wurden, war es doch eine kleine Bestätigung ihrer Stunden. Leider konnten die „PC Musiker“ nichts vorführen.

Fazit
Für alle Beteiligten war es eine gute Erfahrung, einmal für die „Lehrer“, die sich mit einer „neuen Zielgruppe“ auseinandersetzen mussten, und auch für die Schüler der PDF – die vor allem stolz waren, dass Personen von außerhalb der Schule, zu ihnen kamen um Musik zu unterrichten. Dadurch hatten unsere „Musiklehrer“ schon einen kleinen Bonus und wurden nicht nur neugierig, sondern auch offen, von den Schülern empfangen. Wir haben Altbewährtes ausprobiert aber auch ganz neue Sachen – wie die Musik am PC und Cajon bauen und spielen, durchgeführt. Ich denke, dass die Schüler eine Ahnung von Musik spielen erhalten haben, dass Interesse bei einigen geweckt wurde, aber die Fortführung in einem kleinen Rahmen sinnvoll. Entweder werden die Schüler selber aktiv und es gibt eine gewisse Motivation, die aber von den Eltern mit unterstützt werden sollte, oder aber die Schule nimmt diese Kurse in ihrem Programm mit auf, für diejenigen, die motiviert sind. Wir können nur feststellen, dass es Interesse bei den Schülern gibt oder gab und dass es auch Möglichkeiten gibt, wenn Musikkurse angepasst, interessant gestaltet werden und vor allem auch regelmäßig – mehrmals in der Woche, angeboten wird, Kinder mit einer Beeinträchtigung, Musik spielen, zu vermitteln.

Fotos:

Videos: